RÄÄN
lassen bitten ... auts u nüüs
RÄÄN bedeutet REGEN in dem Dialekt, das ganz nah am Röschti-Graben
gesprochen wird – der Freiburger Mundart. Warum dieser Name? «As
het gschüffet ... u Polygram (die erste Plattenfirma, Anm. d. Verf.)
het a Bändname bruucht, wüu ds Album parat gsi isch usazcho.
As het gschüffet de ganz Tag u wir hi haut müesse a Name ha!»,
meint Erwin Cotting, ein wichtiger Bestandteil dieses Schweizer Familien-Unternehmens
– einem Seisler-KMU eben. Man liess sich bitten, die Lieder waren
da, aber kein Name zur gerechten Vermarktung. Es gehört mit zur
Geschichte von RÄÄN, dass man sich bitten liess. Im Jahr 1994
liessen sich die drei Brüder Cotting (die Zwillinge Hugo und Erwin,
sowie Gilbert) und René Burri bitten, einen «Rock-Café-Song»
für das gleichnamige Lokal in Freiburg zu komponieren. Und weil
man gerade Zeit hatte, wurden noch ein paar Senslerdeutsche Lieder aufgenommen.
Eine Demokassette gelangte auf verschlungenen Pfaden in die Büros
der Chefetage von Polygram. RÄÄN, weil als melodiös,
professionell und originell befunden, liess sich bitten, eine CD mit
14 Liedern zu produzieren. «A Hampfela Lyeder» erschien
1996 und schlug ein. Anfang 1997 war RÄÄN für die zweite
CD bereit, die Studiosessions hatten schon begonnen, da starb René.
Trauer, Leere, Bestürzung. Die Gebrüder Cotting vollendeten
die Aufnahmen und so erschien im Herbst 1997 die CD «frag nit
wysoo», die René und seiner hinterbliebenen Familie gewidmet
war. Nach reger Konzerttätigkeit mit wechselnder Bandbesetzung,
entstand im Oktober 1999 das dritte Album «Chopf oder Zaal»
bei phonag records und RÄÄN gehörte zu den 10 meistgespielten
Schweizerbands der nationalen Radiostationen. Die Fangemeinde wuchs,
doch RÄÄN zog sich zurück. Sie verweigerten sich, sie
genossen das Private. Sie liessen sich bitten. Ein Dutzend Telefonate
für einen Auftritt. Seltene Gastspiele, allesamt ausverkauft, dann
Sendepause. Nach zwei Jahren, 2002 endlich, erschien bei Universal «Oberlann»,
ihre vierte CD, doch die Live-Konzerte blieben spärlich, alles
Bitten half nichts. Im Jahre 2005 produzierte RÄÄN einen Song
für die CD «Reber Rock», der erfolgreichen Hommage
an den grossen Musiker und Songwriter Peter Reber. RÄÄN liess
sich dazu nur bitten, weil es der letzte, der sicher allerletzte Song
sei, den sie je aufnehmen würden. Und nun ist sie da – auts
u nüüs. Bitte sehr! Mit vielen ihren Hits und drei neuen Songs.
Sicher ihre aller-aller-allerletzten. Ausser vielleicht ... jemand lässt
sie bitten ... Ich hoffe darauf.